Jahresrückblick 2006

Das Jahr 2006 stand ganz im Zeichen der sich immer weiter hinausziehenden Fertigstellung des dringend benötigten Anbaus. Jeder private Häuslebauer kennt aus leidvoller Erfahrung den Einfallsreichtum der Bauleute, wenn Termine nicht gehalten werden können. Als Grund für die Terminverschiebung vom Februar 2006 zum April und schließlich zum Ende der Sommerferien musste diesmal der völlig überraschend und unvorhersehbar eingetretene Winter herhalten.

Trotzdem waren wir froh, dass wir mit Beginn des neuen Schuljahres die Klassen- und Gruppenräume belegen konnten. Ohne diese Fertigstellung – in letzter Minute – hätten wohl einige Klassen aus Platzmangel verlängerte Sommerferien haben müssen.

Mit der offiziellen Einweihung am 20.09.06 durch Vertreter der Städte Oldenburg und Delmenhorst, der Landkreise Oldenburg, Ammerland und Wesermarsch, sowie des Vorstandes des Diakonischen Werkes und in Anwesenheit der Bauhandwerker und
– last not least – des Architekten Angelis war dann doch der Ärger über die Verzögerungen verflogen.

Der eigentliche Höhepunkt der Einweihung war dann aber zwei Tage später das große Sommerfest für Kinder, Eltern und Freunde unserer Einrichtung. Bei wunderschönem Spätsommerwetter war der Besucherandrang überwältigend. Da unser Grundstück die vielen Besucherautos nicht fassen konnte, säumten die Autos den Borchersweg bis zum neuen Kreisverkehr. Nur unter kräftiger Mithilfe der Eltern, die außerdem leckere selbstgebackene

 

Torten und Kuchen gestiftet hatten, konnte der Ansturm auf die verschiedenen Cafeterias im Haus bewältigt werden.

Nach dem Ende der Feiern und mit dem Einsetzen der ersten Regentage zeigten sich schmerzlich die Auswirkungen, dass die neuen Räume zwar schon bezogen aber noch nicht fertig waren. Die Garderoben vor den Klassen fehlten. Wohin mit den nassen Jacken und Mützen? Der Auftrag für den Einbau der Schränke und der Küchenzeilen war noch nicht einmal vergeben, sodass die Arbeitsmaterialien der Klassen bis heute noch in Kisten und Umzugskartons in den Räumen herumstehen, die nun eher Lagerräumen als Klassen gleichen. Die Fertigstellung der Einrichtung soll nun doch nach den Weihnachtsferien sein. (Hoffentlich kommt kein unvorhersehbarer Wintereinbruch.)

 

Unabhängig vom Geschehen auf der Baustelle nahm die Arbeit in der Schule ihren gewohnten Gang. Zum Ende des Schuljahres 05/06 fanden für 7 Schüler in Mathematik und Deutsch zentrale Abschlussarbeiten statt. Für die mündliche Prüfung konnten sich die Schüler das Fach selbst wählen. Unter Einbeziehung der Prüfungsergebnisse konnten 4 Schüler ein Realschulabschlusszeugnis und 3 Schüler ein Hauptschulabschlusszeugnis erhalten.

Da diese Abschlusszeugnisse nach landeseinheitlichen Prüfungen und Bewertungen entstanden sind, sind sie mit den Zeugnissen aller anderen Schulen voll vergleichbar. Das Argument, das mancher unserer Schulabgänger in früheren Jahren zu hören bekam „Das Zeugnis ist ja von einer Behindertenschule, da hat man bei der Bewertung bestimmt alle Augen zugedrückt“ – ist jetzt klar widerlegt.

Insgesamt beendeten 25 Schüler mit Schuljahresende ihre Schulzeit. 15 von ihnen begannen ihre berufliche Tätigkeit in einer Werkstatt für Behinderte. 4 machen eine Ausbildung in einem Berufsbildungswerk, 5 setzen ihre Beschulung in einer Berufsschule und einer in einer Fachschule fort.

Zum Schuljahresbeginn 06/07 wurden 20 Kinder in drei erste Klassen eingeschult. Für ihren erfolgreichen Start in das Schulleben sorgen Frau Marienfeld und Frau Coldewey; Frau Buss und Frau Hetzel sowie Herr Erstling und Frau Michels-Orlowski. Außerdem hilft in den Klassen auch ein Zivildienstleistender mit.

  

Zur weiteren Qualitätssteigerung unserer Arbeit hat das Kollegium der Schule an verschiedenen Projekten gearbeitet:

  1. Teamkonzept
    In den Klassen arbeiten verschiedene Lehrer/Innen und pädagogische Mitarbeiter/Innen kollegial zusammen. Sie bilden mit den dazugehörenden Therapeuten das Klassenteam, das eine enge Zusammenarbeit und Verflechtung mit dem Team der Nachbarklassen hat. Da die Aufgabenverteilung und die Zielsetzung innerhalb des Teams und ihre Verflechtung mit den Nachbarteams, je nach der betreffenden Schülerschaft unterschiedlich ist, haben die Teams Konzepte über ihre Ziele, Aufgabenverteilungen und die klassenübergreifenden und klasseninternen Organisationen aufgestellt, die nun jedes Jahr aktualisiert werden können.

  2. Förderkonzepte
    Bislang legen die jeweiligen Teams einmal im Monat für einzelne Schüler einen Plan zur Intensivierung der Förderung fest. Diese erfolgreiche Planung soll zunächst fortbestehen.
    Zur Erweiterung dieser Pläne haben wir im Frühjahr und Sommer ein sehr umfangreiches Raster erarbeitet, das alle Bereiche des schulischen Lernens erfasst. Bei Durchsicht eines solchen Rasters kann man sich ein sehr detailliertes Bild über die Bereiche machen, die ein Kind schon gut beherrscht und sehen, wo Förderung einsetzen muss. Diese Erkenntnisse werden dann in einem für jedes Kind individuellen Förderplan festgelegt. Wir erproben diese Pläne nun in den 1. und in den 5. Klassen und werden sie in der nächsten Zeit überarbeiten und sie im kommenden Schuljahr in der 1. und 2. und in der 5. und 6. Klasse weiterführen.

  3. Für die wichtigsten Organisationsbereiche unserer Schule werden wir im kommenden Schulhalbjahr die bestehenden Konzepte schriftlich niederlegen und dann jährlich ergänzen und anpassen. Zu diesen Konzepten gehören u.a. „Berufliche Orientierung“ „Hausaufgaben“, „Prävention u Beratung“, „Mobile Dienste“ usw.

     

Neben der konzeptionellen Arbeit kamen aber auch die schönen Ereignisse nicht zu kurz. Am 24. November veranstalteten wir den traditionellen Discoabend für unsere ehemaligen Schüler, an dem 50 „Ehemalige“ teilnahmen.

Im Mai glänzten unsere Schüler durch die Aufführung ihres neuen selbstverfassten Musicals „Träumst Du noch oder liebst Du schon“ in der Kulturetage vor einem großen Publikum. Der Beifall war überwältigend.

Besondere Höhepunkte sind jeweils die mehrtätigen Klassenfahrten, die auch in diesem Jahr wieder von vielen Klassen unternommen wurden.

Hervorzuheben sind hier die Fahrten der Entlassungsklassen:

-         nach Berlin Besichtigung der verschiedenen staatlichen Einrichtungen

-         nach Hamburg mit Besuch des Musicals „Mamma Mia“

-         nach Helgoland.

 

Auch an vielen sportlichen Veranstaltungen haben sich unsere Schüler beteiligt:

Am 29. und 30.03 richtete unsere Nachbarschule in Dinklage das diesjährige Rollstuhlbasketballturnier für die KB-Schulen Norddeutschlands aus, auf dem unsere
A-Mannschaft den 1. und die B-Mannschaft den 6. Platz belegten. Im Rollstuhlhockeyturnier in Hannover am 15. und 16.11. erreichten wir den 2. Platz. Auf Initiative unseres ehemaligen Schülers Jan Stölting nahm unsere Rollstuhlbasketballmannschaft am 08. und 09. September  an einem Turnier des Berufsbildungswerkes Vollmerstein teil, das wir auch gleich mit einer intensiven Besichtigung des BBW und mit Gesprächen über die berufliche Integration verbunden haben.

Am 07. September nahm unsere Fußballmannschaft auch wieder am Turnier der Gemeinnützigen Werkstätten teil.

Der diesjährige Reitertag der Reit- und Fahrschule Oldenburg – es war der 25. Jahrestag des Behindertenreitens in Oldenburg – beteiligten sich die verschiedenen Reitgruppen unserer Schule.

Personalnachrichten:

Zum Schuljahresende verabschiedeten wir unseren Kollegen Ewald Peters in den Ruhestand, der sich in den langen Jahren seiner Tätigkeit

 besondere Verdienste in der Förderung auch schwach begabter Schüler und im Bereich der beruflichen Integration erworben hat.

Unser Kollegium wurde im März durch die Mitarbeit von Manuela Heitsch verstärkt.

Im Februar kam Doris Palluth nach Beendigung des Erziehungsurlaubs zunächst noch mit wenigen Stunden an unsere Schule und im August bereicherte Ursula Milz aus NRW unser Team.

 

Jubiläum

Zum 25jährigen Dienstjubiläum konnten wir im August Renate Britz gratulieren, die seit vielen Jahren mit vollem Einsatz im Mobilen Dienst tätig ist. Von ihrer Erfahrung und ihrem Wissen profitieren Lehrer, Eltern und körperbehinderte Kinder, die an Regelschulen unterrichtet werden.

Im September konnten wir auch die 25jährige Tätigkeit im Schuldienst von Marie-Luise Frangen würdigen, der es in ihrer erfolgreichen Tätigkeit als Klassenlehrerin immer wieder gelingt, Schüler an Regelschulen umzuschulen. Daneben ist sie intensiv mit der Organisation unseres Schulsports befasst.

Auf 40 Jahre dienstlicher Tätigkeit blickte im September der Schulleiter zurück. Von diesen 40 Jahren war er 29 Jahre als Schulleiter – und davon 24 Jahre am Borchersweg – tätig.

Im Februar und im Juni legten zunächst Judith Zentner und dann Sabine Gailiss das zweite Staatsexamen für das Lehramt an Förderschulen mit großem Erfolg ab.

Anke Marwede, Imke Claßen und Rieke de Haas sind in diesem Jahr als Förderschullehreranwärterinnen an unsere Schule eingesetzt.

Allen Schülern mit ihren Eltern und Geschwistern, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie allen Freunden und Förderern ein schönes Weihnachtsfest, Gesundheit und Erfolg für 2007.

 

 

-- Nachtrag --

Bei der Darstellung der Jubiläen ist ein wichtiges Jubiläum unerwähnt geblieben:

Das Ehepaar Lübke und Rosi Bleeker wurden von der Schule und Tagesstätte am 1. März 2006 für ihre 25jährige Tätigkeit am Borchersweg geehrt.

Herr Bleeker ist als unentbehrlicher Hausmeister hier unermüdlich im Einsatz. Seine Frau ist seine Vertreterin. Die vielfältigen Aufgaben, die Herr Bleeker in zwei so großen Einrichtungen wie es Schule und Tagesstätte sind, ,äußerst verantwortungsbewusst durchführt, lassen sich hier gar nicht alle aufführen. Sie reichen vom Betrieb der komplizierten Schwimmbadtechnik über eine ausgedehnte Heizungsanlage bis zur freundlich durchgeführten Instandsetzung eines defekten Rollstuhls für ein betrübtes Kind - ganz zu schweigen von den vielen großen und kleinen Wünschen, die von zahlreichen Mitarbeitenden täglich an ihn herangetragen werden.

Wir alle danken ihm.

 

gez. Hilfer